Matakohe – Auckland
Matakohe - Auckland - 27. August
Riesige Herden neuseeländischer Rinder auf den endlos grünen Weiden des Nordens. Kein Stall, kein Unterstand. Nur Decken für die ganz Kleinen – gegen die beißende Kälte des Nachtfrostes. Dann wieder zahllose wollige Flecken. Im ganzen Land über 70 Millionen. In großen Abständen Farmhäuser aus Holz, teilweise auf Stelzen gebaut. Rundumsicht auf das Land: total. Friedhöfe mit einer Hand voll Kreuzen und Grabsteinen, angelegt auf kleinen Hügeln, teilweise mit Meerblick. Hin und wieder Durchfahrt durch eine Ansammlung von Zivilisation. Mit den wesentlichen Dingen, die überall auf der Welt dazu gehören. – Letzte Impressionen auf der letzten Etappe nach Auckland, der letzten Station unserer Reise durch Neuseeland.
Der Morgen ist leider verregnet. Ein kleiner Small Talk mit unserem Stellplatznachbarn in der Spülküche ergibt interessante Berührungspunkte. Der deutsche Großvater sei Beginn der 20er als blinder Passagier illegal nach Neuseeland eingewandert. Leider bestehe kein Kontakt mehr nach Deutschland. Das finde ich sehr interessant. Mist – hier hätte ich mehr Zeit für ein Gespräch gebraucht. Nachteile eines überwiegend touristisch ausgerichteten Reisekonzepts. Vielleicht wird es einmal mehr. –
Die Fahrt nach Auckland vergeht so im Vorübergehen. Ein kurzer Stopp bei Sheep World bleibt, Gott sei Dank, ohne Ergebnis. Zu touristisch, zu teuer. Ein plötzlicher Wolkenbruch hält uns jedoch noch eine Weile dort fest. Dennoch: Souvenirshopping wird auf Auckland verschoben.
So – und jetzt Luft anhalten, wir tauchen ab in die Zivilisation. Wir verlassen die SH1 in North Shore, um von Devonport aus die Skyline der City zu genießen.
Da wir den Camper erst gegen Nachmittag bei KEA abgeben müssen, haben wir uns entschlossen, ihn am heutigen Vormittag noch mal für eine kleine Stadtrundfahrt zu nutzen. Eine weise, aber auch extrem schweißtreibende Idee, wie der weitere Verlauf des Tages noch zeigen wird. Jedenfalls, die Skyline ist typisch. Metropolen, die was auf sich halten gehen in die Höhe. Die Bebauung mit Bürotürmen konzentriert sich auf einen überschaubaren Quadratkilometer des Businessviertels, das an den Hafen grenzt. Toll ist die Lage. Zwischen uns und der City, jenseits der Harbour Bridge, liegt der Eingang eine große Bucht, Waitemata Harbour. Die Boote der City of Sails liegen angetäut im Hafen, es ist erst Freitag Mittag – Working Hour. Das mutet uns fast schon wie ein Fremdwort an.
Weitere Erforschung des schönen Stadtteils der oberen Tausend der Millionenstadt sparen wir uns. Wir wollen noch zum Mount Eden, einem der über 60 kalten Vulkane, auf denen Auckland erbaut ist.
Ein Blick von dort auf die Stadt lässt Assoziationen vom Garden Eden aufkommen. Vorn geht der Blick in Richtung Pazifik, nach hinten in Richtung Tasman See. An der schmalsten Stelle der Stadt braucht man zu Fuß keine zwei Stunden von coast to coast. Das gefällt uns. Rings herum liegen die Eigenheime der einzelnen Stadtteile, verstreut bis zum Wasser oder zum Horizont. Und die Sonne scheint. Das und das Gesehene lässt uns den Stress der Stadtdurchfahrt zum Mount Eden und den Weg zurück zur Autobahn relativ unbeschadet überstehen. Gott, so was habe ich noch nicht erlebt! Ohne die Hilfe eines netten Kiwi in einem Biker Shop hätten wie die Autobahnauffahrt nie gefunden. Und wir waren gut mit Stadtplänen ausgestattet. Denn: wir müssen ja noch mal zurück nach North Shore, über die Harbour Bridge, bei KEA Auckland unseren Campervan abgeben.
Der Moment ist schon recht traurig. Wir haben unseren Campervan so richtig ins Herz geschlossen, trotz gelegentlicher Wassereinbrüche über der Frontscheibe. Für provisorische Gegenmaßnahmen sind schon einige Pakete Tempos und der Bordeimer zweckentfremdet worden. Überlagert wird die Wehmut von letzten wirbelnden Aktivitäten: Taschen packen, Müll entsorgen. Einige übrig gebliebene Vorräte können wir einer deutschen Touristenfamilie übereignen.
Alles klappt dennoch reibungslos. Als Abschiedgeschenk gibt es einen Bildband – für treue BP-Tankkunden. Ein Taxi bringt uns zu unserem Copthorne Anzac Hotel in Hafennähe.

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